Unser Schopp plant Dorfladen-Wachstum mit Franchise
Unser Schopp will weitere Dorfläden aufs Land bringen. Neben Beteiligungsdarlehen soll ein Franchisemodell das Wachstum unterstützen.
Veröffentlicht

Ein Dorfladen als Grundversorger und Treffpunkt: Mit „Unser Schopp“ betreiben Sandy Hoppert und Marius Schiel seit knapp zwei Jahren einen rund um die Uhr geöffneten Laden in Burgkemnitz. Nun wollen sie das Konzept aus Sachsen-Anhalt an weitere Orte bringen. Dabei soll auch Franchise eine Rolle spielen. Der angekündigte Ausbau ist ambitioniert, steht aber noch am Anfang.
Vom ersten Laden zur überregionalen Planung
Der bisher einzige Standort von Unser Schopp liegt in Burgkemnitz, einem Ortsteil der Gemeinde Muldestausee im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Auf 72 Quadratmetern verbinden die Gründer die Idee eines Dorfladens mit einem 24-Stunden-Angebot. Hoppert und Schiel betreiben außerdem gemeinsam einen Bioladen in Zörbig.
Nach einem MDR-Bericht vom 7. November 2026 haben sie für die Weiterentwicklung ihres Dorfladenkonzepts ein deutliches Ziel formuliert. „Unsere Vision für die nächsten zwölf Monate ist es, 30 Läden umzusetzen, davon rund 26 in Sachsen-Anhalt“, sagte Schiel dem Sender. Die Formulierung als Vision ist dabei entscheidend: Die Zahl beschreibt den angestrebten Ausbau und nicht ein bereits bestehendes Netz oder ausschließlich verbindlich terminierte Eröffnungen.
Das Interesse reicht nach Angaben der Gründer bereits über die Landesgrenzen hinaus. Rund 200 Anfragen aus ganz Deutschland hätten sie erhalten, berichtete Schiel. Diese Resonanz ist ein Signal für die Aufmerksamkeit, die das Konzept findet. Sie ist allerdings nicht mit 200 geplanten Standorten oder abgeschlossenen Franchisevereinbarungen gleichzusetzen. Für die deutsche Franchise-Community ist deshalb vor allem der nächste Schritt interessant: die Übertragung des bislang an einem Ort betriebenen Formats auf weitere Gemeinden.
Radegast und Rösenbeck mit unterschiedlichen Zeitplänen
Die konkreteren Vorhaben zeigen, dass sich die einzelnen Projekte in unterschiedlichen Phasen befinden. In Radegast ist laut dem Bericht zumindest der Baustart noch für 2026 vorgesehen. Eine Eröffnung im selben Jahr lässt sich daraus nicht ableiten.
Weiter fortgeschritten ist das Vorhaben im nordrhein-westfälischen Rösenbeck. Dort soll nach dem damaligen Planungsstand noch 2026 ein Standort eröffnen, sofern alles wie vorgesehen läuft. Auch diese Ankündigung steht damit unter einem Vorbehalt und ist nicht als bereits vollzogene Eröffnung zu verstehen.
Weitere Läden sind in Niedersachsen und Baden-Württemberg geplant. Damit richtet sich der Blick der Gründer zwar schwerpunktmäßig auf Sachsen-Anhalt, aber nicht ausschließlich auf ihre Heimatregion. Die genannten Vorhaben machen die überregionale Ausrichtung sichtbar, ohne bereits einen einheitlichen Zeitplan für sämtliche Standorte zu ergeben.
Für die Bewertung des Wachstums ist diese Unterscheidung wichtig: Ein bestehender Laden, ein geplanter Baustart und eine angestrebte Eröffnung bilden jeweils einen anderen Entwicklungsstand ab. Ebenso bleibt offen, welche der angekündigten Standorte später in welcher Betreiberstruktur geführt werden.
Franchise als zusätzlicher Weg zum eigenen Dorfladen
Zum geplanten Ausbau gehört ausdrücklich ein Franchisemodell. Hoppert und Schiel möchten damit Menschen erreichen, die selbst einen Dorfladen eröffnen und dafür auf ein bereits praktisch eingesetztes Konzept zurückgreifen wollen. Franchise ist somit ein vorgesehener Wachstumsweg neben anderen Ansätzen – nicht die Beschreibung eines bereits flächendeckend aufgebauten Partnernetzes.
Der Ausgangspunkt für künftige Partner ist der Laden in Burgkemnitz. Dort wird das Format seit knapp zwei Jahren betrieben. Die nächste Entwicklungsaufgabe besteht darin, aus diesem einzelnen Betrieb ein übertragbares Angebot für weitere Betreiber zu machen. Die angekündigte Expansion und der Franchiseaufbau hängen damit zusammen, sind aber nicht gleichbedeutend.
Hinzu kommt eine Auszeichnung für das Gründerteam: Beim KfW Award Gründen 2026 erreichten Hoppert und Schiel den Landessieg. Diese Anerkennung begleitet den geplanten Ausbau. Sie sollte jedoch getrennt von der Frage betrachtet werden, wie viele weitere Läden tatsächlich eröffnen und wie sich das künftige Franchisemodell entwickelt.
Beteiligungskapital ist nicht dasselbe wie Franchisepartnerschaft
Bei der Finanzierung weiterer Standorte setzen die Unternehmer neben klassischen Modellen auch auf Privatpersonen. Interessierte können über sogenannte Beteiligungsdarlehen Kapital bereitstellen. Als Gegenleistung sind eine Grundverzinsung und eine Beteiligung am Gewinn des jeweiligen Dorfladens vorgesehen.
Diese Kapitalbeteiligung ist vom angekündigten Franchiseangebot zu unterscheiden. Während das Darlehensmodell die Finanzierung eines Ladens betrifft, richtet sich das Franchisemodell an Menschen, die einen eigenen Dorfladen eröffnen möchten. Beide Ansätze können zum Ausbau beitragen, sprechen aber unterschiedliche Formen des Engagements an.
Praktisches Fazit: Wer sich für Unser Schopp interessiert, sollte zunächst klären, ob es um die eigene Betreiberrolle oder um eine Kapitalbeteiligung geht. Für angehende Franchisepartner lohnt sich außerdem der genaue Blick auf den Entwicklungsstand des Wunschstandorts: Die Wachstumsvision ersetzt weder eine konkrete Standortplanung noch die Prüfung der späteren Vertragsbedingungen.



