Franchisenehmer auswählen: Ein klares Anforderungsprofil
Welche Partner passen zu Ihrem Konzept? So entwickeln Sie ein Anforderungsprofil und prüfen Bewerber nachvollziehbar statt nach Bauchgefühl.
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Wer einen bestehenden Betrieb zur Franchise-Gemeinschaft weiterentwickelt, braucht nicht einfach möglichst viele Interessenten. Gesucht sind selbstständige Unternehmer, die das Konzept zuverlässig umsetzen und wirtschaftlich führen können. Ein klares Anforderungsprofil hilft, diese Eignung vor der Vertragsentscheidung zu prüfen. Es schützt zugleich davor, Begeisterung, verfügbares Kapital oder persönliche Sympathie mit tatsächlicher Passung zu verwechseln.
1. Anforderungen aus dem Betriebsalltag ableiten
Beginnen Sie nicht mit einer Wunschliste von Eigenschaften wie „motiviert“ oder „kommunikationsstark“. Untersuchen Sie stattdessen, welche Aufgaben Ihren bestehenden Betrieb erfolgreich machen. Welche Entscheidungen treffen Sie täglich? Wo entstehen Fehler, wenn Erfahrung fehlt? Welche Tätigkeiten lassen sich durch Schulung vermitteln, welche verlangen bereits vor dem Einstieg belastbare Kenntnisse?
Leiten Sie daraus konkrete Anforderungen ab:
- Kunden gewinnen: Muss der Partner aktiv verkaufen, lokale Kontakte aufbauen oder überwiegend bestehende Nachfrage bedienen?
- Mitarbeitende führen: Sind Dienstplanung, Personalauswahl und der Umgang mit kurzfristigen Ausfällen zentral?
- Zahlen verstehen: Welche betriebswirtschaftlichen Auswertungen muss der Partner eigenständig beurteilen können?
- Leistungen erbringen: Welche fachlichen Qualifikationen sind unverzichtbar, gegebenenfalls auch rechtlich vorgeschrieben?
- Zusammenarbeiten: Wo muss der Partner verbindliche Standards einhalten und zugleich Rückmeldungen aus seinem Betrieb einbringen?
Prüfen Sie außerdem das geplante Betreibermodell. Ein persönlich mitarbeitender Partner braucht ein anderes Profil als jemand, der mehrere Betriebe über angestellte Führungskräfte steuert. Lassen Sie diese Frage nicht bis zum Vertragsgespräch offen.
Das Ergebnis sollte eine kurze Aufgabenbeschreibung sein. Sie bildet die Grundlage für Ihre Ansprache und Auswahl, nicht das Persönlichkeitsbild des bisherigen Inhabers.
2. Muss-Kriterien von entwickelbaren Fähigkeiten trennen
Ordnen Sie jede Anforderung einer von drei Kategorien zu: vor dem Einstieg zwingend erforderlich, bis zur Eröffnung nachweisbar aufzubauen oder durch die laufende Unterstützung entwickelbar. Dadurch vermeiden Sie sowohl unnötig hohe Einstiegshürden als auch unrealistische Schulungsversprechen.
Eine erforderliche berufliche Qualifikation kann beispielsweise ein Muss-Kriterium sein. Die Bedienung Ihrer konkreten Warenwirtschaft lässt sich dagegen möglicherweise in der Erstschulung vermitteln. Führungserfahrung kann je nach Personalumfang zwingend oder zunächst ergänzbar sein. Entscheidend sind die tatsächlichen Aufgaben und die Leistungsfähigkeit Ihrer Zentrale.
Halten Sie zu jedem Kriterium fest:
- Woran erkennen wir die erforderliche Fähigkeit?
- Welcher Nachweis ist dafür geeignet?
- Wer beurteilt den Nachweis?
- Wie gehen wir mit einer erkennbaren Lücke um?
Auch die finanzielle Eignung gehört zum Profil. Prüfen Sie nachvollziehbare Eigenmittel und den Stand der Finanzierung, ohne daraus auf unternehmerische Kompetenz zu schließen. Eine finanzierbare Eröffnung ersetzt keine Eignungsprüfung.
Gerade eine junge Franchise-Gemeinschaft braucht Partner, die mit noch nicht vollständig eingespielten Abläufen umgehen können. Das darf jedoch nicht bedeuten, dass Bewerber fehlende Vorbereitung der Zentrale auffangen sollen. Beschreiben Sie offen, welche Unterstützung bereits verfügbar ist und wo noch Entwicklungsarbeit ansteht.
3. Eignung anhand einheitlicher Aufgaben prüfen
Führen Sie alle ernsthaften Interessenten durch einen vergleichbaren Auswahlprozess. Ein Erstgespräch klärt Erwartungen und grundlegende Voraussetzungen. Danach folgen ein strukturiertes Fachgespräch und eine praxisnahe Aufgabe. Erst anschließend sollte die gemeinsame Bewertung über den nächsten Schritt entscheiden.
Fragen Sie nach konkreten Erfahrungen statt nach Selbsteinschätzungen: „Wie haben Sie einen Personalausfall gelöst?“ liefert meist mehr Erkenntnisse als „Sind Sie belastbar?“. Lassen Sie sich erläutern, welche Entscheidung getroffen wurde und was die Person daraus gelernt hat.
Eine geeignete Fallaufgabe kann eine vereinfachte Monatsauswertung mit sinkendem Umsatz und steigenden Personalkosten sein. Der Interessent soll Rückfragen formulieren, mögliche Ursachen unterscheiden und erste Maßnahmen begründen. Bewertet wird nicht die Kenntnis Ihrer internen Begriffe, sondern die Qualität des Vorgehens.
Ergänzend kann ein begleiteter Einblick in den bestehenden Betrieb helfen, gegenseitige Erwartungen abzugleichen. Verwenden Sie dabei anonymisierte Beispieldaten und schützen Sie vertrauliche Informationen.
Notieren Sie Beobachtungen unmittelbar nach jedem Gespräch. Trennen Sie belegbare Aussagen von Eindrücken. Statt „passt nicht zu uns“ ist eine Feststellung wie „lehnt die vereinbarten Qualitätsstandards grundsätzlich ab“ nachvollziehbar. Wo möglich, sollten zwei Verantwortliche die Ergebnisse zunächst unabhängig bewerten.
4. Auswahl rechtlich sauber und verbindlich abschließen
Deutschland hat kein eigenes Franchisegesetz und keine franchisespezifische Registrierungspflicht für die Partnergewinnung. Es gelten insbesondere die allgemeinen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuchs, je nach Konstellation das Handelsgesetzbuch sowie Wettbewerbs- und Datenschutzrecht. Der Europäische Verhaltenskodex für Franchising ist kein Gesetz; als Verbandsregel ist er insbesondere für Mitglieder des Deutschen Franchiseverbandes relevant.
Bereits Vertragsverhandlungen begründen nach §§ 311 Absatz 2 und 241 Absatz 2 BGB vorvertragliche Rücksichtnahmepflichten. Entscheidungsrelevante Angaben dürfen nicht irreführend sein. Das betrifft die Darstellung Ihres Konzepts ebenso wie erhebliche Angaben des Bewerbers zu seinen Voraussetzungen. Ein bestandener Auswahlprozess ist keine Erfolgsgarantie und sollte auch nicht so dargestellt werden.
Für Bewerberdaten gelten die Datenschutz-Grundverordnung und ergänzend das Bundesdatenschutzgesetz. Erheben Sie nur erforderliche Informationen, erläutern Sie die Verarbeitung und legen Sie Zugriffsrechte sowie Löschfristen fest. Referenzen sollten nicht ohne vorherige Abstimmung eingeholt werden.
Schließen Sie die Auswahl mit einer begründeten Entscheidung ab: geeignet, geeignet unter klar benannten Voraussetzungen oder derzeit nicht geeignet. Offene Punkte brauchen Verantwortliche und einen Nachweis, bevor daraus eine verbindliche Zusage wird.
Praktischer Schluss: Erstellen Sie vor der ersten Suchkampagne eine einseitige Auswahlmatrix aus Aufgabe, Anforderung, Nachweis und Entscheidungskriterium. So gewinnt Ihre Franchise-Gemeinschaft passende Unternehmer statt lediglich neue Vertragsabschlüsse.
Quellen
- Franchise - IHK Pfalz
- Franchising - Rechte, Pflichten, Checkliste - IHK zu Rostock
- Franchise, Franchising - IHK Limburg
- Franchise - IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim
- Franchise - Mit starken Partnern ans Ziel
- Alle Franchisenehmer Rechte und Pflichten im Überblick
- Franchising - IHK Chemnitz
- Germany: Franchise & Licensing



