Herbergier plant Pflege-Franchise in Recklinghausen
Das niederländische Pflegekonzept Herbergier plant für Mitte 2028 sein erstes deutsches Haus. Gastgeberpaare sollen die Wohngruppen führen.
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Das niederländische Pflegekonzept Herbergier soll nach Deutschland kommen: In Recklinghausen ist für Mitte 2028 der erste Standort geplant. Das kündigt die für die Einführung verantwortliche Ländermanagerin Dr. Sabine Becker-Klunder in einem am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Interview mit Care Rockets an. Gesucht werden Unternehmerpaare, die eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz führen und selbst im Haus wohnen.
Erstes Haus geplant, weitere Standorte im Gespräch
Mit Herbergier soll die deutsche Franchise-Community um ein Wohn- und Pflegekonzept aus den Niederlanden erweitert werden. Im Mittelpunkt steht eine kleinteilige Wohnform für Menschen mit dementiellen Veränderungen. Die Verantwortung für den Alltag und den Betrieb übernimmt jeweils ein Gastgeberpaar, das sich mit dem Haus selbstständig macht.
Der bislang konkreteste deutsche Standort ist Recklinghausen. Becker-Klunder nennt Mitte 2028 als geplanten Eröffnungstermin. Es handelt sich damit um ein Vorhaben im Aufbau, nicht um einen bereits laufenden deutschen Pflegebetrieb. Für Interessierte ist diese zeitliche Einordnung wichtig: Der angekündigte Markteintritt liegt noch vor dem Konzept, während die Suche nach engagierten Gastgeberpaaren bereits Teil der Einführung ist.
Daneben berichtet die Ländermanagerin von Gesprächen mit Duisburg sowie einer Option in der StädteRegion Aachen und einer weiteren südlich von Wuppertal. Diese Angaben haben einen anderen Planungsstand als das angekündigte erste Haus. Aus den Gesprächen und Optionen lassen sich noch keine verbindlichen weiteren Eröffnungen ableiten.
Gastgeberpaar wohnt und arbeitet im selben Haus
Herbergier verbindet unternehmerische Selbstständigkeit mit einem Wohnmodell, bei dem die Betreiber unmittelbar vor Ort leben. Nach der Beschreibung von Becker-Klunder wohnt das Unternehmerpaar in einer separaten Wohnung im selben Haus wie die Bewohnenden. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden führt es die Einrichtung.
Für Deutschland ordnet Becker-Klunder das Konzept den anbieterverantworteten Wohngruppen zu. Als wesentlichen Unterschied zu einer Betreuung durch einen externen Pflegedienst beschreibt sie die Organisation innerhalb des Hauses: Das Gastgeberpaar meldet den Pflegedienst an, der im Herbergier selbst begründet ist. Wohngruppe und Pflegedienst werden damit nicht als voneinander unabhängige Angebote dargestellt.
Für potenzielle Franchisepartner ergibt sich daraus ein besonderes Anforderungsprofil. Es geht nicht allein darum, einen Betrieb zu leiten. Zum beschriebenen Modell gehört auch die Entscheidung, den eigenen Wohnort in das Haus zu verlegen und die Gastgeberrolle gemeinsam als Paar zu übernehmen. Die separate Wohnung schafft dabei einen eigenen Wohnbereich; die räumliche Nähe zum Betrieb bleibt jedoch ein fester Bestandteil des Konzepts.
Diese Verbindung unterscheidet den geplanten Einstieg von einer Selbstständigkeit, bei der Betreiber nur zu Arbeitszeiten am Standort sind. Wer sich für Herbergier interessiert, sollte deshalb sowohl die unternehmerische Aufgabe als auch die gemeinsame Lebensgestaltung in seine Entscheidung einbeziehen.
Auswahl, Schulung und Begleitung vorgesehen
Der Weg in die Partnerschaft soll über ein dreistufiges Auswahlverfahren führen. Dabei lernen die angehenden Unternehmerinnen und Unternehmer nach Angaben von Becker-Klunder die Verantwortlichen des Konzepts kennen. Anschließend ist ein Schulungsprogramm vorgesehen, das die Gastgeber auf die Selbstständigkeit vorbereitet.
Darüber hinaus sollen die künftigen Unternehmen während des gesamten Prozesses begleitet werden. Hinter dem Franchise steht DDN International. Becker-Klunder ist als Ländermanagerin Ansprechpartnerin für die Einführung in Deutschland und für Interessierte, die ein eigenes Herbergier führen möchten. Zum Zeitpunkt des Interviews ist sie nach eigener Aussage allein für Deutschland verantwortlich; als weitere Anlaufstelle nennt sie DDN.
Zur bestehenden Organisation nennt sie rund 30 Mitarbeitende in Amsterdam für derzeit etwa 185 Häuser, darunter 60 Herbergier. Diese Zahlen beschreiben den vorhandenen organisatorischen Hintergrund. Sie sind nicht mit einem deutschen Standortnetz gleichzusetzen: Hier steht zunächst die geplante Eröffnung in Recklinghausen im Mittelpunkt.
Mietmodell soll finanzielles Risiko begrenzen
Die Gastgeberpaare sollen als Mieter der Immobilie auftreten. Becker-Klunder beschreibt das finanzielle Risiko für sie deshalb als begrenzt. DDN International kümmere sich um die Sicherung für die Investoren. Die Immobilie ist damit ein eigener Bestandteil der Aufgabenverteilung zwischen Gastgebern, Franchisegeber und Investoren.
Die Aussage zum begrenzten Risiko ist als Einschätzung der Ländermanagerin zu verstehen, nicht als Zusage einer risikofreien Selbstständigkeit. Für eine individuelle Entscheidung sollten Interessierte insbesondere klären, welche Verpflichtungen aus dem Mietverhältnis, dem Franchisevertrag und der Führung des Pflegedienstes entstehen. Ebenso wichtig ist die konkrete Ausgestaltung der angekündigten Schulung und Begleitung.
Praktisches Fazit: Herbergier richtet sich an Paare, die Pflege, Unternehmensführung und Wohnen am selben Ort verbinden möchten. Vor einer Bewerbung sollten beide Partner gemeinsam prüfen, ob diese Gastgeberrolle zu ihrer Lebensplanung passt, und sich Auswahlverfahren, Verantwortlichkeiten sowie finanzielle Verpflichtungen konkret erläutern lassen.



