Franchise kaufen: AGB und Individualabreden richtig prüfen
Auch Franchiseverträge unterliegen der AGB-Kontrolle. So erkennen Sie problematische Standardklauseln und sichern ausgehandelte Zusagen vor dem Kauf.
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Ein umfangreicher Franchisevertrag wirkt oft unveränderlich. Doch ein vorgedruckter Vertrag ist weder automatisch ausgewogen noch in jedem Punkt wirksam. Wer einer Franchise-Community beitreten möchte, sollte deshalb unterscheiden: Welche Bedingungen stellt der Franchisegeber einseitig, welche werden tatsächlich ausgehandelt? Diese Unterscheidung beeinflusst Ihre Rechte erheblich. Eine strukturierte Prüfung hilft, unklare Regelungen vor der Unterschrift zu bereinigen und individuelle Zusagen belastbar festzuhalten.
1. Warum die AGB-Kontrolle beim Franchisekauf wichtig ist
Deutschland hat kein spezielles Franchisegesetz. Es gibt auch keine franchisespezifische staatliche Registrierung oder Genehmigung des Vertrags. Maßgeblich sind insbesondere das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), je nach Sachverhalt das Handelsgesetzbuch (HGB) sowie das Wettbewerbs- und Kartellrecht. Vorvertragliche Rücksichtnahme- und Aufklärungspflichten ergeben sich insbesondere aus §§ 311 Absatz 2 und 241 Absatz 2 BGB.
Für standardisierte Vertragsbedingungen sind die §§ 305 bis 310 BGB über Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) besonders wichtig. AGB stehen nicht nur im Kleingedruckten eines Anhangs. Auch der gesamte Franchisevertrag kann weitgehend aus AGB bestehen, wenn der Franchisegeber seine vorformulierten Bedingungen für mehrere Verträge verwendet und Ihnen stellt.
Die Bezeichnung als „Partnerschaftsvertrag“ ändert daran nichts. Ebenso wenig genügt Ihre Unterschrift, um aus einem vorgegebenen Text eine individuell ausgehandelte Vereinbarung zu machen.
Franchisenehmer handeln beim Abschluss regelmäßig als Unternehmer. Trotzdem entfällt die AGB-Kontrolle nicht. Im unternehmerischen Geschäftsverkehr gelten allerdings Besonderheiten nach § 310 BGB: Die Klauselverbote der §§ 308 und 309 BGB sind nicht unmittelbar anwendbar. Die Prüfung nach § 307 BGB bleibt zentral; Wertungen der Klauselverbote können dabei Bedeutung haben. Verbraucherschutzregeln lassen sich deshalb nicht einfach unverändert übertragen.
2. Unklare und einseitige Klauseln systematisch markieren
Nach § 307 BGB können AGB unwirksam sein, wenn sie den Vertragspartner entgegen Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Eine Benachteiligung kann auch daraus entstehen, dass eine Bestimmung nicht klar und verständlich ist. Nicht jede wirtschaftlich ungünstige Regelung ist allerdings automatisch unwirksam; auch der Umfang der gesetzlichen Inhaltskontrolle hat Grenzen.
Lesen Sie den Vertragsentwurf deshalb nicht nur von vorne nach hinten. Ordnen Sie jede wichtige Bestimmung drei Fragen zu:
- Was muss ich konkret tun oder hinnehmen? Sind Umfang, Voraussetzungen und Zeitpunkt einer Pflicht erkennbar?
- Welche Gegenleistung oder Absicherung erhalte ich? Bleiben Leistungen des Franchisegebers verbindlich oder werden sie an anderer Stelle wieder eingeschränkt?
- Wer trägt das Risiko? Werden auch Risiken auf Sie verlagert, die Sie nicht beeinflussen können?
Besondere Aufmerksamkeit verdienen pauschale Haftungsausschlüsse, umfassende Verzichtserklärungen und Klauseln, die Ihnen den Nachweis einer Pflichtverletzung erschweren sollen. Auch weit gefasste Bestätigungen wie „Sämtliche Leistungen wurden vollständig erbracht“ sollten Sie nicht ungeprüft unterschreiben, wenn Leistungen noch ausstehen.
Überraschende Klauseln können nach § 305c BGB schon nicht Vertragsbestandteil werden. Auslegungszweifel bei AGB gehen grundsätzlich zulasten des Verwenders. Ob diese Regeln im konkreten Fall helfen, hängt jedoch vom Wortlaut, der Gestaltung und den Umständen ab. Markieren Sie daher Auffälligkeiten, statt selbst abschließend „unwirksam“ daneben zu schreiben.
3. Echte Individualabreden von bloßen Änderungen unterscheiden
Individuelle Vertragsabreden haben nach § 305b BGB Vorrang vor AGB. Das macht sie für konkrete Zusagen wichtig. Allerdings bedeutet „individuell“ mehr als einen eingesetzten Namen, einen ausgewählten Standort oder eine Unterschrift unter jeder Seite.
Für ein tatsächliches Aushandeln muss der Franchisegeber den wesentlichen Inhalt der betreffenden Klausel ernsthaft zur Disposition stellen und Ihnen eine reale Möglichkeit zur Einflussnahme geben. Eine Erklärung im Vertrag, alles sei ausführlich besprochen oder ausgehandelt worden, ersetzt diesen Vorgang nicht.
Dokumentieren Sie deshalb den Verhandlungsweg: Bewahren Sie Ihre Änderungsvorschläge, Antworten und überarbeiteten Fassungen auf. Halten Sie fest, welche Alternative angeboten und welche Lösung schließlich vereinbart wurde. Ein Nachtrag ist nicht allein deshalb eine Individualabrede, weil er separat unterschrieben wird; auch er kann vorformulierte Bedingungen enthalten.
Praktisch sinnvoll ist eine eindeutige Zuordnung: Der Nachtrag benennt die betroffene Vertragsziffer und erklärt, ob sie ersetzt, ergänzt oder für Ihren Fall ausgeschlossen wird. Achten Sie darauf, dass die Vereinbarung mit dem richtigen Vertragspartner und einer vertretungsberechtigten Person getroffen wird. Verlassen Sie sich nicht auf die mündliche Zusage eines Vermittlers.
4. Vor der Unterschrift Klarheit statt späterer Streit
Ist eine AGB-Klausel unwirksam, bleibt der Vertrag nach § 306 BGB grundsätzlich im Übrigen wirksam. An die Stelle der unwirksamen Regelung treten grundsätzlich die gesetzlichen Vorschriften. Eine überzogene Klausel wird regelmäßig nicht einfach auf das gerade noch zulässige Maß zurückgeführt.
Das ist jedoch kein guter Grund, einen problematischen Vertrag unverändert zu unterschreiben. Eine spätere rechtliche Auseinandersetzung kostet Zeit und kann die Zusammenarbeit belasten. Lassen Sie offene Punkte von einem im Franchiserecht erfahrenen Rechtsanwalt prüfen und möglichst vor Abschluss eindeutig regeln.
Erstellen Sie dafür eine kurze Prüfliste mit Vertragsziffer, praktischem Risiko, gewünschter Änderung und endgültigem Ergebnis. Gleichen Sie unmittelbar vor der Unterzeichnung Hauptvertrag, Anlagen und Nachträge ab. Speichern Sie die vollständige Endfassung einschließlich aller einbezogenen Dokumente.
Praktisches Fazit: Akzeptieren Sie „Das unterschreiben alle“ nicht als Qualitätsnachweis. Prüfen Sie Standardbedingungen, verhandeln Sie konkrete Verbesserungen und halten Sie deren Inhalt nachvollziehbar fest.
Quellen
- [PDF] Germany - International Franchise Association
- Franchise - Mit starken Partnern ans Ziel - IHK Ostwürttemberg
- Germany: Franchise & Licensing
- Franchising - IHK Chemnitz
- [PDF] Franchise - IHK Nürnberg für Mittelfranken
- www.ihk.de · limburg · starthilfeFranchise, Franchising - IHK Limburg
- Der Franchisevertrag - IHK Elbe-Weser
- Alles was Sie zum Thema Franchisevertrag wissen müssen



