OBI: Gundels Wechsel trifft auf Franchise-Expansion
Sebastian Gundel verlässt OBI und startet 2027 bei Kingfisher. Eine interne Doppelspitze übernimmt während der Suche nach einem neuen CEO.
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OBI bekommt eine neue Führung: Sebastian Gundel hat die Baumarktkette mit sofortiger Wirkung verlassen und übernimmt am 1. Februar 2027 die Leitung des Wettbewerbers Kingfisher. Für die deutsche Franchise-Community ist der Wechsel besonders relevant, weil OBI zuletzt ausdrücklich auf neue Partnerbetriebe als Wachstumstreiber setzte. Bis zur Berufung eines Nachfolgers führen zwei bisherige Vorstandsmitglieder das Unternehmen gemeinsam.
Interne Doppelspitze übernimmt die Führung
Die OBI Group gab Gundels Ausscheiden am 13. Oktober 2026 in Wermelskirchen bekannt. Die Trennung erfolgte nach Unternehmensangaben im gegenseitigen Einvernehmen. Gundel hatte seit 2022 an der Spitze von OBI gestanden und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Heimwerkergeschäft.
Übergangsweise teilen sich Finanzchef Miguel Müllenbach und Vertriebschef Jochen Ludwig die Führung. Damit liegt die Verantwortung zunächst bei zwei Managern, die bereits zentrale Aufgaben innerhalb des Unternehmens wahrnehmen. Müllenbach verantwortet die Finanzen, Ludwig das Sortiment und den Vertrieb. Die Suche nach einem neuen CEO hat begonnen; einen Zeitplan für die dauerhafte Besetzung nennt OBI bislang nicht.
Mehrheitseigentümer Tengelmann betont angesichts des Wechsels die Kontinuität. Das ist die zentrale Botschaft für das bestehende Netz aus eigenen Filialen und partnergeführten Märkten. Eine konkrete Aussage darüber, wer den bisherigen Vorstandschef dauerhaft ersetzen wird, ist damit allerdings noch nicht verbunden.
Für Franchisepartner stehen damit zunächst zwei feststehende Punkte im Vordergrund: Die operative Führung wird intern übernommen, und die Nachfolgesuche läuft. Ein bereits benannter externer Nachfolger oder ein verbindlicher Übergabetermin gehört nicht zu den bekannt gegebenen Eckdaten.
Franchise prägt den deutschen Wachstumskurs
OBI arbeitet mit einem hybriden Modell: Neben zentral gesteuerten Filialen gehören Märkte selbstständiger Franchisepartner zum System. In der Bilanz von Gundels Amtszeit hebt das Unternehmen ausdrücklich die Stärkung des Franchise- und des Profigeschäfts hervor. Der Führungswechsel betrifft somit ein Unternehmen, das seine Entwicklung nicht allein über eigene Standorte vorantreibt.
Wie bedeutend die Partnerbetriebe für den Ausbau sind, zeigt die Planung für Deutschland im Jahr 2026. Für das erste Halbjahr hatte OBI 15 neue Baumärkte vorgesehen, getragen von fünf neuen Franchisepartnern. Damit sollte die Verkaufsfläche um mehr als 130.000 Quadratmeter wachsen. Das Unternehmen bezeichnete diesen Flächenzuwachs als den größten seiner Geschichte.
Diese Zahlen beschreiben die angekündigte Expansion. Sie sind nicht mit einer Bestätigung gleichzusetzen, dass sämtliche vorgesehenen Eröffnungen inzwischen umgesetzt wurden. Für die Einordnung des Führungswechsels zeigen sie dennoch die Größenordnung des partnergetragenen Wachstums, auf das OBI zuletzt setzte.
Nach Angaben der Retail Gazette betreibt OBI mehr als 660 Märkte in zehn europäischen Ländern. Die deutsche Expansion ist damit Teil eines länderübergreifenden Marktauftritts. Für die Franchise-Community bleibt der deutsche Ausbau besonders interessant, weil hier fünf neue Partner einen erheblichen zusätzlichen Flächenumfang tragen sollten.
Gundel geht zu einem europäischen Wettbewerber
Kingfisher bestätigte Gundels Berufung ebenfalls am 13. Oktober. Er soll Thierry Garnier am 1. Februar 2027 als CEO ablösen. Für Januar 2027 ist vorgesehen, dass Finanzchef Bhavesh Mistry die Führung übergangsweise übernimmt. Zwischen Gundels sofortigem Ausscheiden bei OBI und seinem Start bei Kingfisher liegt somit eine mehrmonatige Übergangsphase.
Zu Kingfisher gehören die Marken B&Q, Screwfix, Castorama und Brico Dépôt. Das Unternehmen ist ein Wettbewerber von OBI, nicht dessen Muttergesellschaft. Mehrheitsgesellschafter von OBI ist die Tengelmann-Gruppe. Diese Unterscheidung ist für die Bewertung der Personalie wesentlich: Es handelt sich um einen Wechsel zwischen konkurrierenden Unternehmen und nicht um eine interne Versetzung innerhalb derselben Unternehmensgruppe.
Nach Angaben des Handelsblatts hat Kingfisher in der Vergangenheit bereits versucht, in Deutschland Fuß zu fassen. Aus Gundels Berufung allein lässt sich jedoch kein neuer Deutschlandplan ableiten. Bekannt gegeben ist zunächst der Wechsel an der Konzernspitze.
Was Partner jetzt im Blick behalten sollten
Für bestehende und potenzielle OBI-Franchisepartner stehen die weitere Besetzung der Unternehmensführung und die Umsetzung des angekündigten Wachstumskurses im Mittelpunkt. Die Kontinuitätsbotschaft von Tengelmann und die interne Übergangslösung sind dabei von konkreten Entscheidungen der künftigen Führung zu unterscheiden.
Aus dem Personalwechsel allein lassen sich weder neue Vertragsbedingungen noch veränderte Investitionsanforderungen für Partnerbetriebe ableiten. Ebenso wäre es verfrüht, daraus einen Abbruch oder eine Beschleunigung der Expansion abzuleiten. Fest steht: Franchise war ein ausdrücklich hervorgehobener Bestandteil der Entwicklung unter Gundel; die dauerhafte Führung für die nächste Phase wird noch gesucht.
Praktischer Hinweis: Wer einen Einstieg oder zusätzliche OBI-Standorte prüft, sollte sich den aktuellen Eröffnungsstand, zuständige Ansprechpartner und verbindliche Projekttermine direkt bestätigen lassen. Entscheidend sind konkrete Zusagen zum jeweiligen Vorhaben, nicht Vermutungen über den Führungswechsel.



